Es gab gute Gründe…

Ich sah keinen anderen Ausweg…

Nicht für das Kind und nicht für mich…

 

Doch nun im Nachhinein kann ich meine Handlung nicht annehmen. Ich fühle einen unerwarteten Schmerz; ich fühle mich schuldig. Ich kann mir selbst nicht verzeihen, denn ich empfinde Liebe für dieses Kind und spüre quälend den leeren Platz in mir, den es hinterlassen hat.

 

Eventuell geht meine Schuld sogar so weit, dass ich nicht daran glaube jemals wieder ein Kind verdient zu haben. Nicht einmal jetzt, da ich endlich eine gute Mutter sein und meinem Kind ein schönes, sicheres und sorgenfreies Leben bieten könnte.

 

All diese Qualen entstehen daraus, dass uns der Gesamtüberblick fehlt. Erst wenn ich mich als Teil eines großen Ganzen erkenne, kann ich verstehen, dass auch dies eine Lernaufgabe ist. Eine traurige, eine schreckliche – gewiss! Aber es ist eine Lernaufgabe!


 

Es gibt keine Schuld!

Es gibt nur Ursache und Wirkung


Erst wenn ich das verstanden und akzeptiert habe, kann ich anfangen mich zu fragen, welche Ursachen und Wirkungen es für mich und welche Ursachen und Wirkungen es für mein Kind gab. Erst wenn ich anerkenne, dass hier 2 Parteien zusammenkommen, um jede für sich eine Lernerfahrung zu machen, werde ich sehen können, was ich sehen soll.

 

Es ist für mich nur schwer vorstellbar, dass es sogar ein großer Akt der Liebe sein kann, einer Seele ein unwillkommenes Leben zu ersparen und sie wieder nach Hause gehen zu lassen, wo sie in Liebe, Sicherheit und Geborgenheit existiert.

 

Natürlich stellt sich hier die Frage, weshalb die Seele überhaupt zu mir kommt, wenn sie nicht bleiben soll oder kann? Das verstehe ich nur, wenn ich alles durch die Augen der Liebe betrachte. Denn dann werde ich erkennen, dass die Seele ihr Zuhause für eine kurze Zeit verlässt, um mich diese „unangenehme Lebenserfahrung“ machen zu lassen, damit ich daran wachse.

 

Wenn ich jetzt nicht mehr unter dem Gesichtspunkt der Schuld denke, welche Wirkung könnet diese Erfahrung dann auf mich haben?

 

  1. Dass ich über alle Gründe für meine Handlung nachdenke und meine Schwächen, Ängste und Abhängigkeiten darin erkennen kann.
  2. Dass ich dadurch die Möglichkeit habe mich selbst zu finden und zu dem freien Menschen zu werden, der ich wahrhaftig sein soll.
  3. Falsche Ideale loslassen zu können.
  4. Zu erkennen, wie viel Liebe in mir ist, mir selbst zu verzeihen und die nächste Seele als einzigartiges und besonderes Geschenk empfangen zu können.
  5. Mich meinem Leben und meinen Verantwortungen mit Liebe und Mut stellen zu wollen.
  6. und noch vieles mehr ...

 

Für diese befreiende Wirkung geht eine Seele gern auf Reisen, und meine Seele würde andersherum das Gleiche auch für sie tun.